Ein Mann aus der Zukunft (Sam Rockwell), der absolut nicht zufällig so scientistcrazy wie „Doc Brown“ aus Zurück in die Zukunft aussieht und agiert, kommt in ein US-amerikanisches Diner unserer Gegenwart und versucht (zum wiederholten Male) eine sehr schräge Truppe aus Weltenrettern zu rekrutieren. Deren Aufgabe: die Geburt einer Super-KI verhindern, um eine drohende und bereits spürbare dystopische Zukunft noch rechtzeitig aufzuhalten. Dieser Plan entpuppt sich in der Smartphone-Social-Media-Welt unserer Gegenwart aber als gar nicht so einfach.
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Good Luck Have Fun Don’t Die ist ein, sagen wir mal, interessanter SciFi-Film, der offensichtlich nicht weiß, was er sein will und welche Zielgruppe er hat.
Man verfolgt hier einen Film, der aus mehreren disparaten Einzelteilen besteht, die tonal und im Anspruch einfach nicht zusammengehen.
Am stärksten ist Good Luck… in der Erzählung der Hintergrundgeschichten seiner Protagonist:innen. In deutlich an Black Mirror angelehnten kurzen Episoden wird hier vom Horror des Menschen in einer durchdigitalisierten Welt erzählt – überraschend emotional, mitreissend, düster und inhaltlich merklich anspruchsvoller als im Hauptfilm – ‚echte‘ Science-Fiction-Dystopie eben. Die filmische Gegenwart hingegen, das Retten der Menschheit vor der Super-KI mit dem Mann aus der Zukunft (so very Terminator) scheint ein komplett anderer Film zu sein, tonal gänzlich unterschiedlich erzählt. Hier kommt der Fluch-der-Karibik-Regisseur Gore Verbinski zum Vorschein, der hier die Regie verantwortet (warum hat man also anderes erwartet?!): Action, Verfolgungsjagden, Kämpfe gegen CGI-Wesen, Bombastscore. Diese scheinbar unzusammenhängenden Teile des Films werden, spoiler alert, nie zusammenwachsen.
Neben der Angst vor der Super-KI spielen Smartphones und Social Media in der filmischen Gegenwart von Good Luck… eine weitere zentrale Rolle. Genauso veraltet wie sich der Begriff „Smombies“ anfühlt (Jugendwort des Jahres 2015, in der Ära Digital also kurz nach der Steinzeit), fühlt sich auch die Darstellung der „Smombies“ hier im Film an. Hier kam mir immer nachdrücklicher der Ausruf boomer alert in den Sinn. Wieder so eine Diskrepanz also: Der Film rückt mit der KI-Thematik ein äußerst gegenwärtiges Thema in den Vordergrund, bedient sich aber gleichzeitig der doch eigentlich längst überholten Thematik der „Smombies“, noch dazu in einer sehr altbackenen und klischeeüberfrachteten Darstellung (buchstäblich als Zombies mit Smartphones, selbstredend Dawn of the Dead zitierend).
Diese filmischen Diskrepanzen sind schade, denn Good Luck… erzählt eigentlich von sehr wichtigen und drängenden Dingen: der krasse Irrweg, den wir als Gesellschaft mit und durch Social Media genommen haben; Bildschirmsucht; Aufmerksamkeitsökonomie; Online Bullying; die nach wie vor nicht absehbaren epochalen Veränderungen, die durch die Weiterentwicklung der „KI“ gerade live beobachtet werden können. Dieser Ernsthaftigkeit werden die episodenhaften Backstories gerecht, der Film als ganzes leider nicht.
Eine letzte Diskrepanz, die ich ausgemacht habe, betrifft die Zielgruppe. Die action- und CGI-geladene filmische Gegenwart ist konzipiert wie ein typischer Hollywood-Spaß für die ganze Familie, aber Good Luck… ist ganz sicher kein Film für jene imaginierte Familie – dafür ist er an einigen Stellen viel zu brutal. Die unterschiedlichen Zielgruppen der kurzen Episoden vs. des Hauptfilms finden ebenso wenig zusammen.
Zurück bleibt man mit einem in Teilen guten, aber letzendlich unbefriedigendem Film von disparater Tonalität für eigentlich unterschiedliche Zielgruppen.
Man bleibt zurück mit einem SciFi-Film, der entweder zuviel will oder sich einfach verrannt hat – und dadurch Potential verschenkt.
Good Luck Have Fun Don’t Die
USA/GER 2025
135min
Regie: Gore Verbinski
FSK: 16
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